Alltägliche Geschichten

Logo Babylosten der Charité, © Charité - Universitätsmedizin Berlin / Grafik, 2015

Probleme beim Stillen und viele Fragen zum Umgang mit dem Baby

Frau K. hat ihr erstes Kind geboren. Sie ist 22 Jahre alt und lebt mit dem Vater ihres gemeinsamen Kindes in einer 3-Zimmerwohnung. Der Partner befindet sich in einem festen Angestelltenverhältnis und wird nach der Geburt zwei Monate Elternzeit nehmen. Da die jungen Eltern von ihren eigenen Eltern und Freunden gut unterstützt werden, haben sie vor der Geburt kein Interesse an einer Hebammenbetreuung.

Auf der Wochenbettstation hat die junge Mutter anfänglich Stillprobleme und macht sich große Sorgen. Auf Bitten des Pflegepersonals trifft sich die Babylotsin mit den Eltern des Kindes zu einem Gespräch.
Im Erstgespräch zeigt sich, dass die Eltern des Kindes gut vorbereitet sind. Weil sie dennoch viele Fragen zum Kind und zum Stillen haben, beschließen Babylotsin und Eltern gemeinsam, eine Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme zu organisieren.

Für besondere Situationen verfügt die Babylotsin über gute Kontakte zu kooperierenden freiberuflichen Hebammen. So konnte sie noch während des Klinikaufenthalts der Mutter den Kontakt zwischen Mutter und Hebamme herstellen. Mit einem festen Besuchstermin der Hebamme freute sich die Mutter jetzt uneingeschränkt darauf, mit ihrem Kind nach Hause zu gehen. 

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Mein Baby schreit so viel

Frau K. erwartete ihr erstes Baby. Seit zwei Jahren lebte sie mit dem Vater ihres Kindes zusammen. Aber seitdem Frau K. weiß, dass sie schwanger ist, wurde die Partnerschaft zur Achterbahnfahrt. Momentan führt das Paar getrennte Haushalte. Der Partner möchte aber für das gemeinsame Kind da sein.

Im Gespräch mit der Babylotsin wirkt Frau K. sehr ängstlich und besorgt um das Kind. Das Baby scheint unruhig. Die Hilfe einer Hebamme lehnt Frau K. ab. Finanziell ist Frau K. gut aufgestellt. Sie ist erfolgreich berufstätig und hat finanzielle Reserven. Für die erste Zeit nach der Geburt plant ihre Mutter für einige Wochen nach Berlin zu kommen, um Frau K. in ihrer neuen Situation zu unterstützen.

Vier Wochen nach der Geburt meldet sich die Babylotsin telefonisch bei Frau K. Es scheint ihr gut zu gehen. Ihre Mutter unterstützt sie nach Kräften. Die Beziehung zum Vater des Kindes gestaltet sich weiterhin schwierig.

Einige Wochen nach diesem Telefonat meldet sich Frau K. bei der Babylotsin. Sie erzählt,  dass sie an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen ist. Das Baby weine so viel, dass sie seit Tagen nicht mehr geschlafen habe. Aufgrund des vielen Schreiens kommt Frau K. nicht mehr dazu, richtig zu essen. Die Mutter kann sie nicht mehr entlasten, sie ist bereits wieder abgereist, und mit dem Vater des Kindes möchte sie keinen Kontakt aufnehmen.

Mit Einverständnis von Frau K. nimmt die Babylotsin Kontakt zur SchreiBabyAmbulanz auf und schildert der dortigen Therapeutin die Situation. Bei einem Hausbesuch noch am selben Tag verabreden die Mitarbeiterin der SchreiBabyAmbulanz und Frau K. regelmäßige Treffen für die  kommenden Wochen.

Durch Entspannungsmethoden und gemeinsame Gespräche lernt  Frau K., ihr Baby zu beruhigen, sich selbst zu entspannen und ihre neue Mutterrolle gelassener zu bewältigen. Auch die Beziehungsprobleme mit dem Vater des Kindes werden dabei thematisiert und geringfügig entspannt.

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Junge Mutter, in Ausbildung, alleinstehend

Frau A., 19 Jahre, brachte spontan ein gesundes und kräftiges Kind zur Welt. Frau A. wurde vom Vater des Kindes während der Schwangerschaft verlassen. Derzeit wohnt sie in einer kleinen Wohngemeinschaft. Sie hat engen Kontakt zu ihrer  Familie, die jedoch nicht in derselben Stadt wohnt und sie so nicht regelmäßig unterstützen kann. Frau A. hat ihre Ausbildung unterbrochen, möchte diese aber schnellstmöglich abschließen. Im Erstgespräch stellte sich heraus, dass sie Unterstützung bei den Anträgen (Vaterschaftsanerkennung, Elterngeld etc.) benötigt und sich unsicher ist, ob sie die Versorgung ihres Kindes alleine schafft. Eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung hatte sie gefunden, ist mit ihr aber nicht glücklich.

Die Babylotsin leitet die junge Familie an den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) weiter, der Frau A. zeitnah zu Hause besucht und weitere Fragen, unter anderem zur Tagesbetreuung des Kindes während der Ausbildungszeit, beantworten kann. Es gelingt der Babylotsin auch, eine andere Hebamme für sie zu finden.

Nach dem ersten Monitoring stellt sich heraus, dass Frau A. weiterhin Unterstützung braucht. Für die Unterstützung bei Behördenangelegenheiten und bei der Alltagsbewältigung organisiert die Babylotsin für Frau A. die Betreuung durch „Aufsuchende Elternhilfe“ im Bezirk.

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Angst vor einer erneuten Schwangerschaftsdepression

Frau H. wurde von ihrem zweiten Kind entbunden. Sie ist verheiratet, das erste Kind ist 5 Jahre alt. Im Anamnesegespräch berichtete Frau H., dass sie nach der Entbindung des ersten Kindes an einer Wochenbettdepression gelitten habe. Damals wusste sie nicht, an wen sie sich wenden könnte. Die Babylotsin bietet ihr im Gespräch auf der Wochenbettstation an, sie an eine Familienhebamme weiter zu leiten. Da die Mutter bereits merkt, dass sie sich psychisch nicht sehr gut fühlt, stimmt sie dem Kontaktaufbau durch die Babylotsin zu.

Auch hier besteht eine enge Kooperation zu den Koordinatorinnen der Familienhebammen in den Berliner Bezirken. Die Mutter wird noch in der Klinik von der Familienhebamme besucht. Der Kontakt zur Hebamme blieb ca. 8 Monate bestehen.

Aus Syrien geflüchtet, alleinstehend, isoliert

Frau N., 24 Jahre alt, stammt aus Syrien und ist alleinstehend. 2014 flüchtete sie ohne ihre Familie nach Deutschland. Bis Oktober 2015 lebte sie in einer Flüchtlingsunterkunft. Ihr Sohn kam zwei Tage vor dem Erstgespräch mit der Babylotsin per Kaiserschnitt zur Welt. Frau N. spricht kein Deutsch, weshalb eine Dolmetscherin zugegen war. Frau N. sagte, sie wolle ihrem Kind das Leben in dieser Wohnform nicht zumuten.

Seit November 2015 lebt die junge Mutter nun in einer eigenen Wohnung, die vom Jobcenter finanziert wird. Aller-dings gibt die Patientin zu, dass sie das Geld, das sie für die Einrichtung der Wohnung und für die Erstausstattung ihres Babys erhalten hatte, für andere Dinge ausgegeben hat. Jetzt habe sie nichts für ihr Baby außer einem Strampler und einem Winteranzug, beide sind dem Baby noch viel zu groß. Sie selbst schlafe auch nur auf einer Matratze auf dem Fußboden, Möbel habe sie keine. Frau N. wirkt verzweifelt und überfordert. Sie hat Angst davor, in diesem Zustand mit ihrem Baby in ihre Wohnung zurückzukehren. Durch die Sprachbarriere hat sie große Probleme, sich zurechtzufinden, Anträge zu stellen und Briefe zu beantworten. Zum Kindsvater besteht kein Kontakt. Freunde oder Familie, die sie unterstützen könnten, hat sie nicht.

Zunächst stellte die Babylotsin einen Kontakt zum Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) her. Sie vereinbarte mit der dort zuständigen Sozialarbeiterin noch für den Tag der Krankenhausentlassung einen Hausbesuch bei Frau N., um zu klären, ob und wie  Frau N. und ihr Baby in dieser Wohnung bleiben können. Frau N. benötigt dringend sozialpädagogische Unterstützung in bürokratischen Fragen und bei der Alltagsbewältigung. Allerdings sind die Kapazitäten arabisch sprechender SozialarbeiterInnen rar, sodass eine „Frühe Hilfe“ wie die „aufsuchende Elternhilfe“ für Frau N. nicht möglich ist.
Die Babylotsin nimmt Kontakt deshalb zu den „Kiezmüttern“ auf. Dort arbeiten ehrenamtlich unter anderem auch arabisch sprechende Frauen, die Müttern mit Migrationshintergrund als Ratgeberinnen zur Seite stehen und ihnen Unterstützungsmöglichkeiten im Kiez rund um die Themen Sprache, Erziehung und sozialrechtliche Unterstützung aufzeigen und sie auch dorthin begleiten.
Da Frau N. über keine Babyausstattung verfügte, organisiert die Babylotsin zusammen mit Flüchtlingsnetzwerken und den Kiezmüttern eine Grundausstattung von Babysachen, die Frau N. zum Zeitpunkt ihrer Entlassung erhält.

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Schwanger - und der Vater hat sich getrennt

Die 28-jährige Frau M. erwartet ihr erstes Kind. Vier Monate vor der Geburt kommt es zur Trennung vom Vater ihres Kindes. Die Trennung wirft die junge Frau so aus der Bahn, dass ihr die Vorbereitungen auf das Leben mit dem Baby über den Kopf wachsen. In der Schwangerenberatung erzählt sie einer Ärztin von ihren Sorgen. Die Ärztin bietet ihr ein Beratungsgespräch mit der Babylotsin an, das die Frau gern in Anspruch nimmt. Im Erstgespräch mit der Babylotsin berichtet Frau M., wie sehr sie unter der Trennung leidet. Zudem weiß sie nicht, welche finanziellen Unterstützungen ihr als Alleinerziehende zustehen und wo sie Anträge stellen kann. Die Babylotsin stellt Frau M. die aufsuchende Elternhilfe vor, die Frau M. vor und nach der Geburt des Kindes unterstützend zur Seite stehen kann. Vermittelt durch die Babylotsin meldet sich die Sozialarbeiterin der aufsuchenden Elternhilfe wenig später bei Fr. M. und vereinbart das erste Treffen.

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Mit Baby im Flüchtlingsheim

Frau A., 25 Jahre, verheiratet, ist aus Afghanistan geflüchtet und lebt seit drei Monaten zusammen mit ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern im Alter von 2 und 3 Jahren in Deutschland. Ihr drittes Kind, ein Mädchen, kam per Kaiserschnitt zur Welt. Das Baby ist sehr zierlich. Am Tag nach der Geburt fand das Erstgespräch mit der Babylotsin statt und da Frau A. nur dari spricht, wurde eine Dolmetscherin hinzugeholt. Die junge Mutter erzählt, dass sie und ihre Familie derzeit in einer Turnhalle, einer Notunterkunft für Flüchtlinge, leben. Es gebe dort keine Privatsphäre, die sanitären Anlagen müssten sich alle Bewohner teilen. Zudem weiß Frau A. nicht, wo sie ihr Baby, wenn sie wieder in die Unterkunft zurückkäme, waschen soll.
Sie schildert, dass ihre kleine Tochter sehr viel weine, da sie sich unter so vielen Menschen nicht wohl fühle. Ihr dreijähriger Sohn sei ständig erkältet und sie hätten deshalb schon den Kinderarzt aufsuchen müssen. Einen Kita-Platz haben die beiden Kinder nicht.
Zum Glück hat Frau A. eine ehrenamtliche Helferin kennengelernt, die ebenfalls dari spricht und Frau A. sehr unterstützt. Von ihr wurde Frau A. bereits mit etwas Babykleidung versorgt.

Die Babylotsin nimmt – mit dem Einverständnis von Frau A. – Kontakt zu der ehrenamtlichen Helferin auf, um die Adresse der Unterkunft zu erfragen, da Frau A. diese nicht kennt. Sie bittet die die Helferin, dem Ehemann mitzuteilen, welche Unterlagen für die Beantragung der Geburtsurkunde des Säuglings benötigt werden. Telefonisch informiert die Babylotsin die Flüchtlingsunterkunft über die Geburt des Babys und teilt dem dortigen Mitarbeiter das voraussichtliche Entlassungsdatum von Frau A. und dem Säugling mit. Zudem stellt die Babylotsin sicher, dass von der Unterkunft ein Bettchen für das Baby bereitgestellt wird.
Die derzeitige Unterbringung der Familie scheint weder für Frau A. kurz nach einem Kaiserschnitt noch für das Neugeborene, welches zudem etwas schwach ist, geeignet. Deshalb nimmt die Babylotsin Kontakt zu einer Mitarbeiterin vom LAGeSo auf und bittet um eine kindgerechtere Unterkunft der Familie. Schon am nächsten Tag erhält die Babylotsin die Nachricht, dass eine neue Unterkunft für die Familie gefunden wurde und diese zum Bezug bereit stehe. Im Gespräch teilt sie dies Frau A. mit und informiert auch die ehrenamtliche Helferin über diese Möglichkeit.

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So kann Ihnen eine Babylotsin helfen:

"Babylotsen im Einsatz" (Film, RBB 23.01.2016) 

"Familien mit Wertschätzung und Empathie begegnen" Interview mit unserer ehemaligen Babylotsin Nurina Nazmy

Weitere Erfahrungsberichte aus Hamburg finden Sie hier.

Hilfe bei Schreibabys gibt es in einigen Berliner Bezirken, die Adressen finden Sie über die Kinderschutzgruppe der Charité und den SchreiBabyAmbulanzen; hier geht's direkt zu den Berliner Adressen. Weitere Informationen über Ursachen, Symptome, Auswirkungen, Diagnose, Therapie sowie Adressen gibt es auch bei den Kinder- und Jugendärzten im Netz sowie bei allen Kinderkliniken und Jugendämtern.

Spendenkonto "Babylotse der Charité"

Charité-Universitätsmedizin
Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck: Babylotse/Spende
  
IBAN: DE 3610 0205 0000 0322 0200  
BIC: BFSWDE33BER